Radiofeatures

Die Recherchen von Peace Counts wurden in zahlreichen Radiofeatures und in Zusammenarbeit mit dem WDR aufbereitet. Der erste Beitrag fasst die Erfahrungen des Projekts zusammen, die folgenden dokumentieren die Arbeit von Friedensmacher in einzelnen Ländern.

 

Die zehn Gebote der Friedensmacher

WDR 5, Sonntag, 2. Juli 2006

In 17 Folgen hat WDR 5 erfolgreiche Friedensmacher vorgestellt. Alles Einzelfälle in einem Meer von Gewalt? Oder hat Frieden Methode? In der letzten Folge ziehen wir Bilanz: Wie macht man Frieden? Wo liegen die Fallstricke? Was kann jeder von uns sich von den Friedensmachern abgucken? Zehn Thesen mit Beispielen zeigen, dass Frieden schwerer und mühsamer ist als Kriege anzuzetteln, aber dass die Suche nach Frieden den Menschen glücklich machen kann. Und dass es dazu weder Helden noch Heilige braucht.

Autor: Heiner Wember

Radiobeitrag:


Die Sendungen des WDR 5 zu Peace Counts in chronologischer Reihenfolge


Nordirland

Joe und Peter: von Terroristen zu Jugendarbeitern

WDR 5, Sonntag, 01. Februar 2004

Getötet haben sie beide. Als Terrorist für die Royalisten der eine, für die IRA der andere. Doch seit einigen Jahren und langen Gefängnis-Strafen haben Joe Doherty und Peter McGuire eingesehen, dass Gewalt keine Lösung sein kann. Sie machen beide auf ihrer Seite Jugendarbeit, um neue Generationen von Terroristen zu verhindern. Ob es gelingt? Sie wissen es nicht.

Autoren: Heiner Wember / Michael Gleich

Radiobeitrag:


Brasilien

Vivario Rio: Es lebe die Favela

WDR 5, Sonntag, 08. Februar 2004

Rangel Bandeiras ist für die Abrüstung zuständig. Sein Projekt liegt zwischen Ipanema und der Copacabana in Rio. Dort leben 18.000 Menschen – in der Favela Cantagalo. Durchschnittlich 5 Menschen starben dort pro Monat durch Mord. Bis die NGO Vivario die Rate auf Null senkte. Bandeiras schult die Polizei und sammelt Waffen ein. Statt von Zeit zu Zeit überfallartig die Favela zu stürmen, sind dort nun Polizisten ständig präsent. Vivario bietet für Jugendliche Sport- und Kulturveranstaltungen an und löst durch Schiedsleute Konflikte, die früher ausgeschossen wurden. Hinzu kommt ausgerechnet eine Internet-Zeitung, die vor allem positiv über schöne Ereignisse in der Favela berichtet.

Autoren: Heiner Wember / Tilman Wörtz

Radiobeitrag:


Isreal

Benedikt Lindemann: der Friedens-Abt von Jerusalem

WDR 5, Sonntag, 15. Februar 2004

Das gemütliche Leben im Benediktiner-Kloster Meschede hörte für Benedikt Lindemann auf, als er zum Abt in Jerusalem gewählt wurde. Dort liegt das kleine Kloster direkt an der Klagemauer zwischen den verfeindeten Parteien. Respektiert wird er von beiden Seiten. Benedikt bringt Menschen zusammen, aber er sorgt auch für Anwälte, wenn wilde Siedler Palästinensern ihr Land wegnehmen.

Autoren: Heiner Wember / Michael Gleich

Radiobeitrag:


Südafrika

Laurie Nathan: weißer Krisenmanager in Südafrika

WDR 5, Sonntag, 22. Februar 2004

Schon als Student agitierte er gegen die Rassentrennung – und bekam dafür zwei Jahre Hausarrest. Heute leitet Laurie Nathan das Centre for Conflict Resolution in Kapstadt. Das CCR bringt einer traumatisierten Bevölkerung bei, wie man gewaltfrei miteinander leben kann. Nathan und seine Mitstreiter haben Gangsterbanden in den Townships zum Waffenstillstand bewogen, und sie gehen in die Gefängnisse, um Schwerkriminelle von der Gewalt wegzubekommen. Schließlich bieten sie sich bei Konflikten als neutrale „dritte Partei“ an.

Autoren: Heiner Wember / Uschi Entenmann

Radiobeitrag:


Mazedonien

Alltag mit Elena: Wie die OSZE in Mazedonien für Frieden arbeitet

WDR 5, Sonntag, 29. Februar 2004

Elena Gulmudova ist für den Job eine Traumbesetzung: der Vater ein Moslem, die Mutter eine Christin. Wer könnte besser zwischen den Ethnien in Mazedonien vermitteln? Seit drei Jahren gehört die Tadschikin Gulmudova zum Team der OSZE in Mazedonien. Sie kam nach den blutigen Auseinandersetzungen 2001 und half, das Friedensabkommen erfolgreich umzusetzen. Ohne große Worte. Gulmudova hört zu und schaltet sich erst dann ein, wenn Dorfälteste und Polizisten, Clanchefs und Richter nicht mehr weiter kommen. Sicherheit und Flüchtlings-Rückführung, Zivil-Prozesse und Wiederaufbau, Gulmudova hilft im Alltag, kleine Schritte voran zu kommen. Ihr deutscher Kollege Harald Schenker kommentiert die politischen Aussichten der OSZE-Mission.

Autoren: Heiner Wember / Michael Gleich

Radiobeitrag:


Sri Lanka

Rohan Narasingham: vom deutschen Asylanten zum Friedensstifter auf Sri Lanka

WDR 5, Sonntag, 07. März 2004

Er floh vor der Gewalt auf seiner Heimatinsel nach Berlin, lebte dort 15 Jahre lang, wurde deutscher Staatsbürger ­ und kehrte 1995 ins Bürgerkriegsgebiet zurück. Seitdem engagiert er sich für den Wiederaufbau im zerstörten Norden der Insel. Mit seiner Organisation SEED baute Singham Siedlungen für mehr als 500 Kriegswitwen und deren Kinder, betreibt eine Ökofarm, auf der Tamilen und Singhalesen zusammenarbeiten und gründete eine Schule für gehörlose Kinder, um die sich im krisengeschüttelten Land sonst niemand kümmert.

Autoren: Heiner Wember / Michael Gleich

Radiobeitrag:


Weltweit

Sieben Meere: Peace Boat – die schwimmende Universität

WDR 5, Sonntag, 5. Dezember 2004

Die Routen des großen japanischen Kreuzfahrt-Schiffs orientieren sich seit 20 Jahren an der Weltkarte der Konflikte. Jeweils 650 Teilnehmer, vor allem Studenten und Rentner, studieren während der dreimonatigen Weltumrundung Konfliktlösungen, diskutieren und lernen andere Kulturen kennen. Auf neutraler See lernen Palästinenser Israelis kennen, Tamilen Singhalesen, Chinesen Taiwanesen. Während der Landgänge leisten sie humanitäre Hilfe in Eritrea oder demonstrieren zum Beispiel in Istanbul gegen Menschenrechtsverletzungen. Ihre Reise zum Bafög-Satz ist nur möglich, weil auch 350 reguläre Touristen mit an Bord sind, die bis zu 15.000 Dollar für die Weltreise zahlen. Auf dem Peace Boat einer japanischen Friedensstiftung treffen sich Traumschiff und Traumuni zu einer Weltumrundung der Menschheitskonflikte.

Autoren: Heiner Wember / Michael Gleich

Radiobeitrag:


Afghanistan

Stimme der Freiheit

WDR 5, Sonntag, 12. Dezember 2004

Ohne Gewaltmonopol des Staates wird es in Afghanistan keinen Frieden geben. Bundeswehr-Einheiten und Polizei-Berater bilden in Kabul Soldaten und Polizisten aus, die dem neuen demokratischen System helfen, sich zu etablieren. Die Deutschen haben nicht nur VWs für die Polizei mitgebracht, sondern auch viel Erfahrung. Die Bundeswehr betreibt einen eigenen Rundfunksender für die Kabuler Bevölkerung, um Gerüchten vorzubeugen und die Afghanen aufzuklären. Sie hilft bei der Rekrutierung unbelasteter Soldaten und organisiert Alphabetisierungs-Kurse für jene, die nicht schreiben können. Die Deutschen gerieren sich nicht als Besatzer, sondern als Freunde. Bislang mit großem Erfolg. Doch das Problem Drogenhandel ist nicht gelöst. Das große Geld lockt auch immer wieder Polizisten, Politiker und Militärs.

Autoren: Heiner Wember / Bernd Hauser

Radiobeitrag:


Kolumbien

Don Giovani zwischen den Fronten

WDR 5, Sonntag, 19. Dezember 2004

In Kolumbien tobt einer der blutigsten und verworrensten Bürgerkriege Lateinamerikas. Regierungstruppen, Guerilla und zersplitterte paramilitärische Gruppen kämpfen um die Kontrolle von Gebieten. Geld aus dem Kokainhandel befeuert den Konflikt zusätzlich. Die Zahl der politischen Morde geht in die Zehntausende, meist sind Zivilisten die Opfer. In dieser Situation riskiert Pater Giovani Presiga immer wieder sein Leben, um der verarmten Landbevölkerung beizustehen. Im Falle von Entführungen, mit denen sich die Söldnergruppen finanzieren, kämpft er als Vermittler für seine Schäfchen. Mit seinem Projekt “Frieden und Versöhnung” hilft er den Dörfern in der Provinz Antioquia , wirtschaftlich stärker zu werden und der Guerilla nicht mehr schutzlos ausgeliefert zu sein.

Autoren: Heiner Wember / Uschi Entenmann

Radiobeitrag:


Palästina

Der Jordan soll leben

WDR 5, Sonntag, 26. Dezember 2004

Das Tote Meer stirbt. Seine Ausdehnung verringerte sich in den vergangenen Jahrzehnten um mehr als ein Drittel – verursacht durch den verringerten Zufluss des Jordan. Neunzig Prozent des Jordan-Wassers pumpen Israelis und Jordanier zuvor ab, um ihre Landwirtschaft zu bewässern. Der Fluss erreicht das Tote Meer braun und schmutzig durch das Abwasser von palästinensischen Dörfern und Städten sowie israelischen Siedlungen im Westjordanland. Die Umweltschutz-Organisation „Friends of the Earth Middle East“ (FOEME) will das ändern. Vor zehn Jahren gegründet, hat sie Büros in Tel Aviv, Bethlehem und Amman. Israelis, Palästinenser und Jordanier arbeiten gleichberechtigt und eng zusammen Um den Jordan und das Tote Meer zu retten, entwickelt die Gruppe ein Konzept für die UNESCO, mit dem das Tal als Weltkulturerbe gerettet werden kann.

Autoren: Heiner Wember, Bernd Hauser

Radiobeitrag:


Bosnien

Mladi Most – junge Brücke

WDR 5, Sonntag, 2. Januar 2005

Die Brücke in Mostar ist wieder fertig. Das alte Wahrzeichen der Stadt verbindet den christlichen Westen mit dem muslimischen Osten. Was noch fehlt, sind Brücken zwischen den Menschen. Die baut ein deutsches Jugendzentrum. 16 Container im Kreis aufgestellt, geschützt gegen die Sonne durch ein riesiges Zirkuszelt. In den Containern finden die Jugendlichen Internet-Zugänge, ein Tonstudio, ein Fotolabor. Draußen steht eine Bühne. Hier treffen sich Jugendliche der Stadt aus Ost und West, lernen, flirten, planen ihre Zukunft, um es besser zu machen als ihre Eltern. Gemeinsam haben sie einen Verein gegründet, der die Tradition der Brückenspringer neu organisiert und die Einnahmen aus dieser Touristen-Attraktion verteilt.

Autoren: Heiner Wember / Michael Gleich

Radiobeitrag:


Philippinen

Peace Zones – Dörfer ohne Krieg

WDR 5, Sonntag, 9. Januar 2005

Den Bürgerkrieg zwischen Regierung und moslemischen Rebellen können die Menschen auf dem Lande nicht beenden. Aber sie können erreichen, dass ihr Dorf verschont bleibt. Regierung und Milizen haben sich auf Initiative von Friedensgruppen erfolgreich auf Ortschaften verständigt, in denen zwar Waffen getragen werden dürfen, in denen aber nicht gekämpft wird: die Peace Zones. Vertreter beider Seiten treffen sich zu Ortsbegehungen und verständigen sich bei Streitfällen.

Autoren: Heiner Wember / Tilman Wörtz

Radiobeitrag:


Ruanda

Tage der Wahrheit, Tage der Lüge

WDR 5, Sonntag, 28. Mai 2006

Laien-Gerichte urteilen in Ruanda darüber, ob die immer noch einsitzenden Verdächtigen des Völkermordes von 1994 schuldig sind oder nicht. Einmal in der Woche tagen in jedem Dorf, in jedem Stadtteil in ganz Ruanda die Gacaca-Gerichte. Gacaca, zu deutsch „im Gras“, das waren früher die Treffen, bei denen die Ältesten unter einem Baum oder auf dem Dorfplatz zusammenkamen, um Streit über den Kaufpreis eines Kalbes oder um ein Stückchen Land zu schlichten. Heute sollen die Gras-Gerichte über 120.000 Täter und Verdächtige urteilen. Die Laiengerichte gelten als einzige Möglichkeit, die Täter des Völkermords von 1994 abzuurteilen. Normale Gerichte würden dafür 100 Jahre benötigen.

Autoren: Heiner Wember / Bernd Hauser

Radiobeitrag:

http://www.peace-counts.org/wp-content/mp3/PeaceCounts_WDR5_Ruanda_1.mp3


Kolumbien

Futbol por la Paz – Fußball für den Frieden

WDR 5, Sonntag, 4. Juni 2006

1994 wurde ein kolumbianischer Nationalspieler in Medellin erschossen, weil er bei der Fußball-WM in den USA ein Eigentor geschossen hatte und Kolumbien damit ausschied. Diesen Mord nahm der deutsche Sportwissenschaftler Jürgen Griesbeck zum Anlass, eine neue, friedlichere Art des Fußballs in den Favelas zu fördern. In den kleinen Mannschaften spielen immer mindestens zwei Frauen mit, von denen eine das erste Tor erzielen muss. Es gibt auch Punkte für faires Spiel. Futbol por la Paz ist heute ein Riesenerfolg. 30.000 Jugendliche spielen mit, und Griesbeck, inzwischen zurück in Berlin, organisiert mit Unterstützung von Jürgen Klinsmann zur WM in Deutschland eine Parallel-WM des Straßen-Fußballs.

Autoren: Heiner Wember/ Uschi Entenmann

Radiobeitrag:


Mali

Wasser für die Tuareg

WDR 5, Sonntag, 11. Juni 2006

Das Ehepaar Papendieck verteilt Bargeld. Steuergelder aus Deutschland. Im Auftrag der GTZ, der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit. Wer im Norden Malis bereit ist, mit den in den 90er Jahren vertriebenen und als Flüchtlingen zurückgekehrten Tuareg friedlich zusammen zu leben, der bekommt Geld für Wasserpumpen. Gemeinsam sollen die Dorfgemeinschaften ihr Leben aufbauen und verbessern. Ein Langfrist-Projekt, das erstaunliche Erfolge zeigt. Durch bessere Ernten und den Zwang zur Zusammenarbeit hat sich die Lage im Norden Malis stabilisiert: die Menschen sind friedlicher geworden. Selbst die große Heuschrecken-Plage konnte die neue Eintracht nicht zerstören.

Autoren: Heiner Wember/ Uschi Entenmann

Radiobeitrag:


USA

Cops können auch anders

WDR 5, Sonntag, 18. Juni 2006

New Haven in Connecticut hat die Yale University – und eine vorbildliche Polizei. Anfang der 90er Jahre herrschten in den Armenvierteln allerdings noch bürgerkriegsähnliche Zustände. Inzwischen ist die Mordrate der mittelgroßen Stadt um 60 Prozent zurückgegangen. Dank „Community Policing“. Statt auf Gewalt nur mit massiver staatlicher Gewalt zu reagieren, hat sich die Polizei besser in das Alltagsleben in den Vorstädten integriert. Streifenbeamte sind präsent und wohnen in den Vierteln. Streifen werden gemischt besetzt (ein Weißer, ein Farbiger). An der Police Academy lernen die Jungpolizisten, wie man Streit schlichtet und Gefahrensituationen ohne Schusswaffen entschärft. Die Polizei ist hier beliebt. Entsprechend hilft man ihr. Diese Kulturrevolution kam mit einer Zivilistin: Kay Codish war erst Pazifistin und kämpfte gegen den Vietnamkrieg, dann wurde sie Leiterin der Police Academy in New Haven. Seit 13 Jahren trimmt sie Cops auch auf friedliche Konfliktlösung. Und begründete damit in den USA eine neue Schule der Polizeiarbeit.

Autoren: Heiner Wember / Jürgen Schäfer

Radiobeitrag:

 http://www.peace-counts.org/wp-content/mp3/PeaceCounts_WDR5_USA_1.mp3


Indien

Peace School Gandhi

WDR 5, Sonntag, 25. Juni 2006

In der größten Privatschule der Welt mit 30.000 Kindern wird nicht nur eine neue Elite ausgebildet sondern hier werden Kinder mit Sendungsbewusstsein in die Welt geschickt, die eine Idee ihres Schulgründers verinnerlicht haben: Es gibt viele Religionen, aber nur einen einzigen Gott. Dass der Weg zum Frieden nur über eine Weltregierung führen kann, die sich am Vorbild der EU orientiert und viel mehr Kompetenzen haben muss als die Vereinten Nationen. Es sind sehr ambitionierte Forderungen, die alle vom Schulgründer stammen, der den Namen seines großen Vorbilds trägt, Mister Gandhi, und er tut viel dafür, dass sie Wirklichkeit werden.  Er hilft seinen Schülern aus allen Religionen, gut miteinander klar zu kommen, und das funktioniert erstaunlich gut. Er lädt Kinder aus aller Welt zu Tagungen nach Lucknow, holt Oberste Richter aus hundert Nationen zusammen, um sie Gesetzesgrundlagen für eine Weltregierung diskutieren zu lassen.

Autoren: Heiner Wember/ Ingrid Eissele

Radiobeitrag: